Wie schon in der letzten Woche, blicke ich heute noch mal in die 90er Jahre des letzten Jahrtausends zurück. Haddaway und Dr. Alban feierten ihre größten Charterfolgen, und Don Ronsen und ich arbeiteten verbissen an unserem Projekt: BeachBody 2000. Zugegebenermaßen standen wir zu diesem Zeitpunkt noch in den Startlöchern, waren aber bis unter die Haarspitzen motiviert (damals hatte ich noch welche), unsere Körper zu echten Hochleistungsmaschinen heranzuzüchten. Wie gesagt, das war der Beginn unserer Muckibudenkarriere und wir waren zwei ganz amtliche Körperkläuse.

Es war Bauch, Beine, Po und Oberarm Montag. Wie es sich für zwei echte Topathleten gehörte, kamen wir natürlich schon fertig angekleidet, in unserem allerfeinsten Uncle Sam Sportzwirn, im Testosteronpalast an. Wie üblich starteten wir auch dieses Training mit einem aufwendigen Stretching- und Warmup-Programm. Dafür hatten wir gute 30 Minuten unseres eineinhalbstündigen Trainings vorgesehen. Die Zeit reichte gerade eben, für zwei Becher Kaffee und einen Proteinpowerriegel an der Eiweißbar. Anschließend folgte wie immer, der obligatorische S-K-G (Studio-Kontroll-Gang). Keine Haare an den Armen, aber posen, wie ein Orang-Utan zur allerbesten Paarungszeit – muss man auch erstmal können. In Wahrheit checkten wir nur die örtlichen Gegebenheiten und suchten nach den Bereichen im Studio, wo wir nicht zwangsläufig unter zu intensiver Beobachtung standen. Obwohl wir Beide uns selbst schon ziemlich, sagen wir mal – prächtig fanden, empfanden wir es dennoch als unangenehm, dass wir nur mit den Hausfrauengewichten trainierten. Mit den echten Hanteln hätten wir uns sehr wahrscheinlich ernsthaft verletzt, wenn nicht gar umgebracht.

Wir kämpften uns also, immer schön im Tiefflug, direkt unter dem Radar, durch unseren Trainingsplan. Aus den Boxen dröhnte: „It´s my life“, mit zarten 130 Dezibel. Und wir taten, was getan werden musste – wir standen knietief im eigenen Schweiß, schmiedeten den Stahl und bogen die Eisen bis zur totalen Muskelerschöpfung. Diese trat erstaunlicherweise schon nach guten 23 Minuten ein. Unsere Körper kapitulierten in einem muskulär, brennenden Höllenfeuer. Aus, Ende! Was sollte es, Bauch und Oberarme waren ja trainiert, und mal ganz im Ernst, Beintraining ist ja grundsätzlich überbewertet. Also Sauna-Time.

Mit allerletzter Kraft schleppten wir uns in die Umkleide, um uns für den angenehmen Teil des professionellen Breitensportlerlebens vorzubereiten: Saunieren bis zur totalen Dehydration, um dieser dann in letzter Sekunde mit ausreichend Hefeweizen entgegenzuwirken. Oh ja, das hatten wir uns wahrlich verdient. Vorher aber Duschen. In der Dusche kam es dann zum Unvermeidlichen. Bei rauschendem Wasser und in dem Glauben, die einzigen Beiden weit und breit zu sein, posierten wir, wie Dwayne „The Rock“ Johnsens kleine Zwillingswelpen, als ginge es um die Studiomeisterschaften im Untergewicht.
Einige Meter nebendran betrat, genau in diesem Moment, die Herzsportgruppe des christlichen Männergesangsverein die Szenerie, um sich, wie gewohnt, in beharrlichem Schweigen für die anstehende Sportstunde umzuziehen und musste dabei folgendes aus der angrenzenden Dusche mit anhören:

Stimme 1: „Los, jetzt zeig mal her das Ding!“

Stimme 2: „Ja ok – hier – nu guck auch.“

Stimme 1: „Alter Schwede, der is ja schon richtig angeschwollen.“

Stimme 2: „Ja, geil – oder!? So, gut jetzt… länger kann ich ihn nicht stramm halten… er brennt so fürchterlich. Du bist dran, zeig her den Knochen.“

Stimme 1: „Logo! Guck!“

Stimme 2: „Na ja, besonders groß is er ja nicht…“

Stimme 1: „… dafür aber steinhart, los, fass mal an.“

Tja Leute, was soll ich sagen!? Oftmals ist es halt eine Frage der Perspektive, den Rest erledigt das Kopfkino. Die Sauna hatten wir an diesem Spätnachmittag übrigens ganz für uns allein.
Erst viele Jahre später, nach vielen Bieren und einigen Schnäpsen, wurde uns ganz langsam klar, warum so viele Mitglieder des Gesangsvereins seit jenem Tag, für eine wirklich lange Zeit in Therapie waren. Und wir waren doch so stolz auf unsere Bizeps.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein